Tipps zur Auswahl
Wer einen Fernlehrgang abschließt, geht eine mehrmonatige bis mehrjährige finanzielle und zeitliche Verpflichtung ein. Eine Checkliste hilft, vor Vertragsunterzeichnung das Wichtigste zu klären.
1. ZFU-Zulassungsnummer prüfen
Schon im Werbematerial muss die ZFU-Zulassungsnummer angegeben sein. Sie ist auf zfu.de im öffentlichen Verzeichnis prüfbar: Steht der Lehrgang dort, mit dem aktuellen Preis und einer gültigen Zulassung? Bei Hochschul-Fernstudiengängen statt der ZFU-Nummer: Akkreditierungsstatus im Akkreditierungsrat-Portal prüfen.
2. Probelektion anfordern
Seriöse Anbieter verschicken kostenfrei eine Probelektion oder geben einen 4-Wochen-Probezeitraum mit Recht auf vollständige Rückabwicklung. Anhand der Probelektion lässt sich prüfen:
- Ist der Lehrbrief / das Online-Modul didaktisch verständlich?
- Wird die Aufgabenkorrektur tatsächlich angeboten und mit fachlich qualifiziertem Feedback versehen?
- Passt der zeitliche Aufwand zur eigenen Lebenssituation?
3. Vertragslaufzeit und Kündigungsfristen
Nach FernUSG ist die Mindestvertragslaufzeit auf sechs Monate begrenzt. Nach Ablauf der Hälfte der vereinbarten Gesamtdauer ist ordentliche Kündigung mit drei Monaten Frist möglich. Wichtige Prüfpunkte:
- Gesamtdauer und Mindestlaufzeit explizit im Vertrag?
- Kündigungsfristen klar und gesetzeskonform?
- Was passiert mit bereits gezahlten Raten bei Kündigung?
- Verlängerungsoption ohne Mehrkosten?
4. Lehrgangsbetreuung
Wichtige Fragen zur fachlichen Begleitung:
- Wie schnell werden Aufgaben korrigiert (typisch: 5–10 Werktage)?
- Wer korrigiert — Fachdozent:in mit einschlägiger Qualifikation oder Prüferassistenz?
- Gibt es feste Sprechzeiten oder eine telefonische / E-Mail-Hotline für Fachfragen?
- Werden Online-Seminare oder Präsenzphasen angeboten?
- Wie ist die Lerngruppen-Vernetzung (Forum, Discord, Chats)?
5. Online- versus Print-Material
Die Gewichtung zwischen Lehrbriefen, Online-Plattform und Videos variiert stark zwischen Anbietern:
- Klassische Lehrbriefe — per Post zugeschickt, gedruckt, mit haptischer Lernsubstanz. Vorteil: offline lernbar, gute Markier- und Notiz-Möglichkeiten. Nachteil: nicht aktualisierbar.
- Online-Lehrgangsportal — alle Materialien als PDF und Video. Vorteil: jederzeit Zugriff, aktualisierbar. Nachteil: Bildschirmmüdigkeit.
- Hybride Modelle — Print plus Online. Verbreitet bei den großen Anbietern.
6. Abschlussart
Wichtigster Punkt: Was heißt es konkret, den Lehrgang „abgeschlossen“ zu haben?
- Anbieter-Zertifikat: Aussagekraft beschränkt — im Lebenslauf erwähnenswert, aber keine eigene Qualifikation im Rechtssinn.
- Anbieter-Zeugnis mit benoteten Prüfungsleistungen: aussagekräftiger, weil tatsächliche Leistungsbewertung.
- Staatliche Prüfung (IHK, HWK, Schulamt, Gesundheitsamt): die rechtlich verwertbare Form. Prüfung erfolgt nicht beim Anbieter.
- Akkreditierter Hochschulabschluss: Bachelor, Master — europäisch anerkannt.
7. Gesamtkosten transparent kalkulieren
Neben den Lehrgangsgebühren können zusätzliche Kosten anfallen:
- Prüfungsgebühren bei externer Prüfungsstelle (IHK, HWK),
- Anreise und Übernachtung zu Präsenzphasen,
- Pflichtliteratur, die nicht im Gebühren enthalten ist,
- Software-Lizenzen für technische Lehrgänge.
Eine ehrliche Gesamtkalkulation kann die effektiven Kosten um 10–20 % erhöhen.
8. Rezensionen und Erfahrungsberichte
Erfahrungsberichte aus Foren, Bewertungsportalen und Reddit/Facebook-Gruppen geben Hinweise auf den Alltag. Vorsicht ist geboten bei:
- Bewertungen, die nur fünf Sterne und Marketing-Texte enthalten — oft incentiviert,
- Bewertungsportalen mit Vermittlungsmodell — ihre Unabhängigkeit ist eingeschränkt,
- Erfahrungsberichten, die mehrere Jahre alt sind — Lehrgänge werden regelmäßig überarbeitet.